Singla - Tatopani (29.03.)
Nach etwas unruhiger Gewitternacht Frühstück mit weißem Honig. Im Lauf des Vormittags klart es auf. Von Dauer wird’s nicht sein; trotzdem: für einige Stunden ist die Luft geputzt; kurz streckt Manaslu seine beiden Nasen durch die Wolken. Wir steigen runter zum Fluss und treffen dort auf den Normalweg. Es zieht schnell wieder zu; wir erreichen Tatopani mit den ersten dicken Tropfen. "Tato" (heiß), "pani" (Regen, Wasser) - eine heiße Quelle ist Namensgeberin.
Nun prasselt Regen, nur ein paar Meter weiter unter rauscht der Fluß.
Nachmittag, in einer Lodge, Regen prasselt auf das Wellblech. Heißer, dicker, süßer schwarzer Tee. Der Fluss rauscht, der Wald dampft. Die Hexen kochen Kaffee, hätte mein Vater gesagt... Die Nebel ziehen nach oben; so, wie es sein soll. Zeit zum lesen, Zeit zum denken, träumen - kostbare Zeit, es gibt wenig davon im ersten Leben. Und doch zieht es mich jetzt endlich in die Höhe.
Selbst heute noch, mit Verkehr bis Gorhka läuft man eine volle Woche, um 3.000m zu überschreiten. Die ersten marschierten von Kathmandhu, mit Legionen und Monate - wenn sie vorher nicht die Ruhr oder Typhus oder eine Schlange aus dem Dschungel wieder heimgeschickt hatte. Das ist arg entschärft im Jahr 2016 - und trotzdem sind kaum mehr als 10 Leute auf dem gesamten Trek unterwegs. 2014 waren es insgesamt 2.000; das Beben wirft sie zurück nach 2001, als der Ausbau der Route begann. By the way: die deutsche Reisewarnung, die noch steht, ist vollkommen überflüssig. Frankreich, UK und Usa haben Ihre Warnungen aufgehoben - nur unsere gibt es noch. Hier haben sie als erstes die Lodges wieder aufgebaut und sitzen jetzt allein darin.